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Sony A-Mount ist tot … hoffentlich!

Nach dieser etwas arg reisserischen Überschrift möchte ich mich hier dem immer noch heiss diskutierten Thema „Sony A-Mount“ und dessen Zukunft widmen. Treffende Vorhersagen kann ich als Nicht-Insider natürlich nicht garantieren, also werde ich mich viel im Bereich der Spekulation bewegen und dabei meine Einschätzungen und Hoffnungen aufzählen und erläutern.
Auch werde ich ab und an ein bißchen weiter ausholen müssen … zum einen weil ich das gerne mache (tief in mir drin schlummert ein sadistischer Vielschreiber), aber vorallem zum anderen, da ich die gelegentlichen Umwege für den Gesamtkontext als erwähnenswert und wichtig erachte. Deshalb bitte ich um die nötige Geduld und Durchhaltevermägen bei euch Lesern. 🙂

Beginnen wir zunächst mit der Erfassung des Ist-Zustandes (und dem langen Weg dorthin /SadistischerVielschreiberOff 😀 ).

Das von Konica Minolta erschaffene A-Bajonett existiert bereits seit 1985 und wurde dort zum ersten Mal in der Minolta 7000 AF vorgestellt und dann auch nach der Übernahme von Sony 2006 kontinuierlich weitergeführt. Sony erbte somit aber nicht nur das Objektiv-Bajonett sowie das KnowHow von Minolta, sondern auch den festen Platz der weit abgeschlagenen Nr. 3 hinter Canon und Nikon hinsichtlich der Verkaufszahlen.
Weder die Innovationen von Minolta (bpsw. die ersten Kameras mit PhaseAF, die STF-Technik bei Objektiven und auch der integrierte Bildstabilisator geht auf Minolta zurück) noch die Innovationen von Sony (bspw. damals undenkbar schneller AF im LiveView bei SLR-Kameras oder die SLT-Technik) konnten daran etwas ändern. So dümpelte Sony bis zum Beginn der „Sony E-Mount-Ära“ (wenn wir die NEX-Kameras mal kurz beiseite lassen) als eben jenes Stück „Best of the Rest“ hinter den grossen Beiden hinterher ohne jemals auch nur eine nennenswerte Annäherung zu schaffen.

Meiner Meinung nach hatte dies genau zwei – sich mitunter gegenseitig beeinflussende – Gründe. Zum einen die allgemeine „psychologische“ Wahrnehmung der Kamera-Marke „Sony“ bei potenziellen Kunden und zum anderen Sony selbst mit einem gewissen Talent stilvoll an den tatsächlichen Anforderungen der Fotografen vorbei zu entwickeln.

Der Kameramarkt war früher ein recht statischer Markt. Es gab auf der einen Seite die Profis, die zum grössten Teil entweder im Canon- oder im Nikon-Lager waren und in der Regel selten bis gar nicht auf eine andere Marke wechselten und auf der anderen Seite eine überschaubare Anzahl von ambitionierten Hobbyfotografen, von denen erneut der grösste Teil zu Canon oder Nikon griff. Einfach weil sie ja wussten, dass das auch die Marken waren, welche die vielen Profis immer bevorzugen und es ausgereifte, gut funktionierende Systeme waren.
Der Rest der „Gelegenheitsknipser“ griff früher fast ausnahmslos zu kleinen „Knipsen“ (ihr wisst schon, diese Dinger, die es heute fast gar nicht mehr gibt, weil sie von Smartphones und erschwinglichen Einsteiger-SLR-/SLT-/MFT-/Systemkameras abgelöst wurden) und waren somit noch gar kein Teil des Marktes bzw. genauer gesagt Teil eines anderen Marktes.

Diese psychologische Beeinflussung durch die Omnipräsenz von „CaNikon“ ist ein Faktor, dessen Wichtigkeit man gar nicht genug betonen kann (auch wenn sie sicherlich viele leugnen würden, denn man will ja nicht als „willenloser Konsumsklave“ gelten).
Es reichte eben nicht mit Innovationen zu glänzen, wie es Minolta und Sony stetig versuchten, da der potenzielle Neu-Kunde meist sowieso noch nicht verstand, was an Innovation xy überhaupt so besonders war und es reichte auch nicht Kameras zu bauen, die eigentlich rundum gut funktionierten und preislich dabei erschwinglicher waren (fragt mal die von Pentax, die können da ein oder zwei Liedchen von singen).

Wenn man als Neu-EInsteiger seine erste Kamera kaufen wollte, dann holte man sich Rat bei anderen und wenn dann von zehn gefragten Leuten etwa neun entweder eine Canon oder eine Nikon empfiehlen, dann war die Wahrscheinlichkeit eben entsprechend gross, dass auch eine dieser beiden Marken gekauft wurde. Zumal Canon und Nikon ja auch seit Ewigkeiten herrvorragende Arbeit geleistet hatten und sich nie grössere Fehler erlaubten und somit zurecht immer eine „sinnvolle“ Wahl waren.

Und um einen bereits voll ausgestatteten Profi aus dem CaNikon-Lager zu einem Systemwechsel zu überzeugen bedurfte es eben mehr als nur ein paar Innovationen, vorallem wenn ausser den Innovationen eigentlich alles andere ein bißchen schlechter war als bei ihrem bestehenden CaNikon-System.

Womit wir zum zweiten Punkt kommen – dem „Why Sony? WHY?!?“-Syndrom.

Sony hatte (und hat) ein ausserordentliches Talent darin gewisse Macken oder sonstige Problemchen in ihrer Kamerasparte hervorzuzaubern, die mitunter so haarsträubend dämlich waren, dass man gar den Zusatz „episch“ beim facepalmen heranziehen darf. Ich selbst habe das oft mit dem Aufruf umschrieben „Sony möge doch bitte ein paar weniger geniale Erfinder und dafür ein paar mehr tatsächliche Fotografen in ihrer Entwicklungsabteilung beschäftigen“.

So war es z.b. äusserst dämlich 2006 am alten ExtraWurst-Blitzschuh festzuhalten. Das Problem hierbei war sogar weniger, dass somit potentielle Systemwechsler ihre Aufsteckblitze vergessen konnten, denn für Profis wichtige Features wie TTL und HSS sind schliesslich auch zwischen Canon und Nikon nicht kompatibel.
Nein, das Problem war vorallem auch der Umstand, dass die Profis nun in ihren Fotostudios standen und ihre Studioblitze nicht mehr ansteuern konnten, weil die Funksender nicht mehr auf ihre Sony-Kameras passten. Und funktionierende Funksender und -Empfänger für den alten ExtraWurst-Blitzschuh waren entweder sehr teuer oder kaum aufzutreiben von irgendwelchen exotischen kleinen Chinamarken, deren Normalzustand „nicht lieferbar“ war. Für Blitzschuh-Adapter galt das gleiche. Somit blieb für viele dann nur das ungeliebte Zünden via Fotozelle mit einem Aufsteckblitz.
Und mit den SLT-Kameras ging dann nicht einmal mehr das, da Sony damals eine nicht-erklärbare Verzögerung beim Auslösen mit Blitzen hatte (in jedem Blitzmodus) und somit keine Synchronisation zwischem dem Zünden des Studioblitzes und der eigentlichen Aufnahme machbar war. Und egal wie oft Sony auf diese Verzögerung angesprochen wurde, es wurde einfach ingoriert und totgeschwiegen.

Aber apropos „Blitz-Bug“ … da gibt es noch einen viel „besseren“, der die erste Generation der SLT-Kameras betraf.
Wie wir wissen waren die SLT-Kameras die ersten „grossen“ Kameras mit einem elektronischen Sucher. Der EVF (Electronic View Finder) löste ja ohnehin viele Diskussionen aus darüber ob das nun was gutes oder schlechtes sei, aber viele (unter anderem mich) überzeugte er und ich würde heute nicht mehr ohne arbeiten wollen. Aber in der ersten Generation (die A55 und A33) fehlte eine ganz entscheidene Funktion, die danach in allen weiteren Sony-Kameras hinzugefügt wurde: „LiVeView Effekte:aus“. Diese kryptisch formulierte Funktion ist quasi sowas wie der inofizielle „Studio-Modus“ (was meiner Meinung nach die bessere Bezeichnung gewesen wäre).

Denn der eigentliche Vorteil des EVF – im Sucher das Bild so anzuzeigen, wie es bei den derzeitgen Belichtungseinstellungen wird – war im Studio ein grosser Nachteil. Dort stand man nämlich nun mit bspw. typischen „Studio-Einstellungen“ von Blende 8 oder gar noch kleiner, 1/125s oder 1/160s und ISO100 herum … und das im dunklen Studio in dem (gewollt) nur das sehr schwache Einstellicht der Studioblitze für Beleuchtung sorgt (denn auf dem eigentlichen Foto soll ja schliesslich nur der Blitz für Licht sorgen und kein ungewolltes Mischlicht die Aufnhame beeinflussen). Diese schwachen Einstellichter haben in etwa die Stärke einer mickrigen Nachttisch-Lampe und man kann sich wohl nun vorstellen, was man also im Sucher bei den oben erwähnten Belichtungseinstellungen sieht: Nichts! Einfach nur ein grosses schwarzes Nichts. Die Kamera selbst sah alles, man konnte seine A55/A33 nun also Richtung Model halten und den Sucher andrücken und sofort schnappte der AF zu und und die Kamera löste die Blitze auch aus (sofern man einen dieser seltenen China-Sender und -Auslöser bekommen konnte) und das Bild wurde ganz normal vom Blitz ausgeleuchtet. Man musste aber eben dabei die ganze Zeit „blind“ fotografieren. In allen späteren Modellen greift man nun zu der oben erwähnten „Liveview Effekte:aus“-Funktion und die Kamera hellt den EVF einfach immer auf „normalnull“ auf, unabhängig der gewählten Belichtungseinstellung und man kann somit auch im Studio ganz normal alles sehen wie als ob man nun wieder mit einem optischen Sucher arbeiten würde. Bei der A55 und A33 aber fehlte diese Funktion einfach …

Ich möchte euch an dieser Stelle einmal bitten darüber nachzudenken, was das Fehlen dieser Funktion tatsächlich über die Entwicklungsarbeit bei Sony aussagt (und dabei nochmal an meinen Aufruf weiter oben erinnern über „weniger Erfinder und mehr echte Fotografen“).
D.h. da entwickelt man die erste SLT-Kamera überhaupt. Das war schliesslich kein kleiner Unterschied, sondern eine fundamental andere Funktionsweise des bisher seit analogen Zeiten unveränderten „Spiegelreflex-Systems“. Sowas entwickelt und baut man ja nicht kurzfristig über Nacht. Da muss es einen langen Prozess gegeben haben, der mit einer Planungs- und Konzeptionsphase beginnt. Dann werden verschiedene Materialen getestet für die Spiegelfolie, der Sucher muss entwickelt und optimiert werden, Prototypen werden gebaut und auf Herz und Nieren getestet und so weiter.

Und in all dieser Zeit hat offensichtlich niemand (NICHT EIN F*CKING EINZIGER!) mal einen der Prototypen genommen und in einer normalen Studio-Umgebung auch nur ein einziges Foto damit gemacht. Das muss man sich mal vorstellen! Es ist mir unbegreifbar wie das in der Entwicklung untergehen konnte. Vielleicht waren ja mal grade wieder alle exotischen Sender und Empfänger aus China nicht lieferbar, aber es wäre denen ansonsten beim allerersten Versuch eines Fotos im Studio direkt aufgefallen. Doch niemand kam auf die Idee das mal zu testen. Und die Studiofotografie ist ja nicht gerade eine unwichtige Randerscheinung der Fotografie…

Es wird aber noch schlimmer.

Als die beiden Kameras auf den Markt kamen fiel den Kunden das natürlich sofort auf und es hagelte Fragen und Beschwerden an den Support. Dort verstanden die zunächst nicht einmal was überhaupt das Problem war. Es kamen dann selbst auf ausführliche Beschreibungen des Problems nur so Antworten wie „also wenn das Bild zu dunkel ist, dann können sie die ISO erhöhen, damit können sie auch bei wenig Licht fotografieren“ … Wtf?!? Why Sony? WHY?!?

Und wenn ihr denkt, das war schon bereits der „es wird aber noch schlimmer“-Teil … nein, da kommt noch mehr. Im Prinzip war nämlich die benötigte „Aufhell- Funktion“ des Suchers trotzdem in der Kamera vorhanden, nur gab es keine Möglichkeit diese Funktion manuell auszulösen. Wenn man bei der A55 oder A33 den internen Blitz ausklappte oder einen Aufsteckbitz montierte, dann wusste die Kamera „aha, du willst also blitzen, gut, dann ist die Liveview-Vorschau ja eh sinnlos, ich hell dir jetzt das Sucherbild dann einfach konstant auf normalnull auf“. Genau das was die Funktion „Liveview Effekte:aus“ eben auch macht.
Alles was Sony also hätte tun müssen wäre ein firmware-upgrade wo diese bereits in der Kamera vorhandene und funktionierende Funktion über einen Menübefehl auch manuell auslösbar ist. Jeder, der auch nur ein rudimentäres Verständnis vom „Programmieren“ hat, weiss, das wir hier über etwa gefühlte 30 Sekunden Arbeit reden … aber besagtes upgrade ist nie erschienen und es wude erneut von Sony einfach ignoriert und totgeschwiegen (wenigstens merkte man aber, dass man in zukünftigen Kameras diese Funktion wohl besser mal einbaut).

Sony A-Mount – Sony zauberte daraufhin noch weitere solcher „Glanztaten“ hervor.

Wie z.B. durch die SLT Technik vorher in der Preisklasse undenkbare Serienbildgeschwindigkeiten, die aber dann nur im „auto“-Betrieb der Kamera nutzbar war (wurde erneut nicht durch ein firmware upgrade, sondern erst in Nachfolgekameras behoben).

Oder einer in vielerlei Hinsicht tollen A77 I, welche all die nie erschienenden „firmware upgrades“ der Vorgängermodelle bekommen hatte und vorallem mit ihrem wahnsinnig schnellen Bildserienmodus und entsprechend hyperschnellem AF-System beworben wurde … nur leider einen AF hatte, der zwar wirklich super schnell war, aber selbst einfachste bewegte Motive nicht wirklich gut „verfolgen“ konnte sondern lediglich (super schnell) daneben zielte …

Oder einer A99, welche nun sogar AF-C konnte, dafür aber für eine stolz bepreiste Vollformatkamera komplett gegnüber der Vollformat-Konkurenz abfiel wenn es um Bildqualität bei hoher ISO ging (die Entwickler von Sony waren zu der Zeit noch nicht die „Sensor-Götter“ die sie derzeit sind).

Man könnte diese Liste jetzt noch sehr lange fortführen, aber ich denke das reicht aus, um zu verstehen, was ich mit dem „Why Sony? WHY?!?“-Syndrom meinte.
Dieses hat Profis generell grösstenteils von Sony ferngehalten, mit Sicherheit den einen oder anderen existierenden Sony-Fotografen vertrieben, der dann mit einem „ich hab die Schnauze voll“ den Umstieg auf CaNikon vollzogen hat und vorallem auch jede Menge CaNikon-Fotografen (die sich dann das „ich hab die Schnauze voll“-Gerede der ehemaligen Sony-Fotografen anhören mussten) noch mehr darin bekräftigt, dem nächsten potenzielllen Neu-Einsteiger weiterhin eine CaNikon-Kamera zu empfehlen. Ein klassischer Teufelskreis.

Doch dann kamen die 7’ner und mit ihnen der Erfolg des E-Mount…

Lustigerweise war der bisher erfolgreichste Schachzug von Sony (in ihrem Kamerageschäft) gar nicht so geplant und beruht auf eine Fehleinschätzung.
Der eigentliche Plan mit den 7ern war eigentlich nichts anderes als eine Weiterführung der NEX-Idee (woher der Sony E-Mount ja auch stammte).
Der Markt der kleinen Kompaktkameras nahm zunehmend ab und verschwand mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit. Diejenigen, die einfach nur überhaupt irgendeine Kamera haben wollten benutzten das Smartphone und diejenigen, die für ihre Urlaubsreisen ein bißchen mehr Qualität haben wollten griffen zu den mittlerweile sehr gut gewordenen Einsteiger-DSLR-Kameras. Und hier wollte Sony bereits mit den NEX-Kameras ansetzen. Eine besonders kleine und kompakte Kamera, die aber trotzdem die Vorteile des DSLR-Systems mit sich brachte (grösserer Sensor, also mehr Bildqualität und die Möglichkeit Objektive zu wechseln).
Zwar konnten die NEX-Kameras durchaus schon ein paar Fans ergattern, aber eine Revolution lösten sie nicht gerade aus, sondern blieben eher noch im Nischen- Segment, aber zumindest eine erfolgreiche Nische.
Und die beiden 7’ner (Sony A7 und A7r) sollten darauf aufbauen und nochmal eins draufsetzen. Eine kompakte, kleine Kamera, die aber herrvorragende Bildqualität „wie die Grossen“ mit sich bringt, diesmal eben sogar der besten Bildqualität, die Sony zu der Zeit herstellen konnte mit Vollformat-Sensoren. Für „Soccer Mums“, Urlaubsreisende, denen ein Smartphone nicht ausreicht und als „immer dabei“-Zweitkamera richtiger Fotografen.

Das die Dinger aber plötzlich weggingen wie Freibier und sich vorallem Fotografen diese als neue Hauptkamera kauften hatte Sony eigentlich nie erwartet. Doch aufeinmal verkauften sie davon (deutlich) mehr als sie jemals in ihrem Sony A-Mount-Segment absetzen konnten und sogar tatsächliche (mitunter sogar richtig grosse) Profis interessierten sich aufeinmal dafür – und das obwohl die 7’er bei weitem nicht frei von ihrem „Why Sony?!? Why?!?“-Syndrom waren.

Mittlerweile ist das E-Mount-System bereits kräftig angewachsen, man hat zu CaNikon ordentlich aufgeholt (sogar bereits innerhalb mancher Länder in einem Jahr mehr Kameras verkauft als die jeweiligen anderen beiden) und die komplette Wahrnehmung der Kameramarke „Sony“ von „na ja .. Sony“ zu „ooooh, Sony *.* “ gewandelt. Aber warum verkauften sich die Dinger so gut?Rückblickend bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es NICHT die Kompaktheit der Kameras war (die ja ohnehin verschwindet, sobald man ein Objektiv vorne dranschraubt).

In all den unzähligen Fotografie-Foren oder Facebook-Gruppen bin ich grade mal über eine handvoll Leute gestolpert, die wirklich sagten „ich hab sie mir wegen der Kompaktheit gekauft, das war mein Hauptgrund“. Der Grossteil dagegen teilt sich nämlich stattdessen auf in „na ja, ist ja ganz nett, das sie so klein sind, aber das war mir eigentlich egal“ oder „ich hab sie mir gekauft obwohl sie so klein sind, wünsche mir manchmal sie wären grösser“ oder sogar viele die sagen „ich würde sie sofort kaufen wenn sie nicht so klein wären“.

Das Hauptaugenmerk mit dem Sony also ursprünglich punkten wollte interessiert die meisten Leute gar nicht oder schreckt sie sogar ab. Meiner Vermutung nach war der Grund für den plötzlichen Boom der E-Mount-Kameras ein anderer. Es waren einfach gleichzeitig die Kameras mit den besten Vollformatsensoren auf dem Markt und trotzdem verhältnismässig den kleinsten Preisen für Vollformatkameras. Innerhallb kürzester Zeit fielen die Preise der beiden 7er auf etwa 1000€-1100€ (A7) und 1600€-1700€ (A7r) … Man bekam also mit der Sony A7r den brillianten Sony-36MP-Vollformatsensor (dessen Qualitäten man ja schon aus der Nikon D800 und D800E kannte) für grob den gleichen Preis für den man bei Canon grade mal das günstige Vollformat-Sparmodell 6d bekam (welche in vielerlei Hinsicht künstlich kastriert wurde um der grösseren 5dIII keine Konkurenz zu machen) und die Sony A7 bekam man gar zu einem Preis, den man bis dahin allgemein als undenkbar für einen Vollformatbody gehalten galt.
Ich wage die Behauptung, dass genau das der erste Auslöser für den Boom war.

Und mit dem Boom entstand dann aber noch etwas neues … die Vision „Spiegellos“.
Man erkannte, dass spiegellose Kameras zwar noch hier und da Nachteile gegenüber den klassischen DSLRs haben, aber diese eben tatsächlich alle behebbar und nur eine Frage des Fortschritts sind und dagegen Dinge möglich sein werden (irgendwann), die bei einer DSLR dann nicht mehr möglich sind.
Es ist also längst keine Frage mehr OB spiegellosen Kameras die Zukunft gehört, es stellt sich nur noch die Frage WANN dieser Zeitpunkt erreicht wird (und an all die DSLR-Fans, die das hier evtl. lesen: Keine Angst, so schnell wird das nicht passieren). Olympus und Fuji dürfen sich hier auch bei Sony bedanken, denn durch den von Sony entfachten „Spiegellos-Boom“ haben auch die mittlerweile Kameras ohne Ende verkauft (mitunter sogar mehr als Sony 😀 ).

Dann kam die Sony A7s und revolutionierte Bildqualität im Bereich High ISO und feuerte den Hype nur noch weiter an. Ebenso Details des E-Mount-Systems wie die herrvorragende Adaptierbarkeit von Objektiven usw. die allesamt dazu beigetragen haben, dass die allgemeine Wahrnehmung der Kamera-Marke „Sony“ sich extrem wandelte. Ich selbst hab diese Wandlung auch sehr deutlich wahrgenommen … wurde ich in meiner Sony-DSLR- und Sony-SLT-Zeit immer und überall wegen meiner Sony belächelt bekam ich nach meinem Kauf der A7 aufeinmal Mails von fremden Leuten, die überlegten sich eine der 7er zu kaufen oder von CaNikon auf eine der 7er umzusteigen und mich zu der A7 befragten … und die Mails wurden dann mehr und immer mehr (ohne Scheiss, ich glaub ich hab allein durch das Beantworten von Mails mehr Sony E-Mount-Kameras verkauft als Mediamarkt Deutschland mit allen Sony A-Mount-Kameras zusammen 😀 ) … und auch in den Foren wurde (überspitzt formuliert) aus einem „tolles Bild, trotz der scheiss Kamera“ eher ein „tolles Bild, aber ist ja kein Wunder bei der geilen Kamera.“

Und wenn ich diese Wandlung als normaler Sony-Fotograf schon so deutlich merke, dann wird Sony selbst diese Wandlung (neben den kometenhaft angestiegenen Verkaufszahlen) wohl auch aufgefallen sein.

Und nun nähern wir uns so langsam der Kernfrage des Themas, was denn jetzt aus dem Sony A-Mount wird (der eine oder andere Leser wird jetzt laut „endlich“ ausstossen).

Und zwar muss man das Thema mal aus der Sicht des Konzerns „Sony“ sehen. Ein Konzern, der noch vor nicht allzu langer Zeit finanziell angeschlagen war und sich daraufhin ein wenig gesundschrumpfen musste und bspw. seine Ausrichtung im TV-Sektor änderte und die PC-Sparte verkaufte. Man wollte sich von nun mehr auf die Äste konzentrieren, die gut liefen. Und da hatte man als Konzern eben in der Kamerasparte einmal den Sony A-Mount, welcher (aus Sicht des Konzerns) nie wirklich wachsen konnte, sondern abheschlagen und mit konstantem Abstand hinter Canon und Nikon hinterher dümpelte. Und dann den E-Mount, der eine Verkaufsmaschine wurde und wie eine Bombe eingeschlagen war, obwohl das so gar nicht eingeplant war. Man erkannte aber eben vorallem auch diese „Vision Spiegellos“, die sich unter den Kunden plötzlich breitgemacht hatte und dass der E-Mount mit den spiegellosen Kameras eine echte langfristige Chance auf dem Markt ist.

Auf welchen Mount man dann aus Konzern-Sicht setzen wird ist doch eigentlich klar.

Und es wäre wirtschaftlich einfach nicht sinnvoll, ja sogar richtig dumm, zwei Mounts gleichzeitig am Leben zu halten. Das bringt einem als Konzern gar nichts, denn ausser einer handvoll Hardcore-Fans mit zu viel Geld wird wohl kaum ein Kunde aktiv in zwei verschiedene Systeme investieren, sondern eben entweder ein Sony A-Mount-Kunde oder ein Sony E-Mount-Kunde sein. D.h. man gewinnt mit zwei Mounts nicht mehr Kunden, man teilt sie lediglich auf … das aber dann bei doppelten Kosten in der Entwicklung und Fertigung (oder der Alternative seine Ressourcen aufzuteilen und beide Mounts nur noch mit „halber Kraft“ zu betreiben). Würde einer von euch so entscheiden, wenn er was zu sagen hätte und es schliesslich nicht eure Aufgabe wäre, traurige Sony A-Mount-Fans zufriedenzustellen, sondern einen Konzern zu führen?

Aber was macht man nun und wie kommuniziert man das?

Natürlich kann man sich dann als Konzern nicht hinstellen und sagen „okay, also Sony A-Mount ist tot, kauft euch alle eine E-Mount-Kamera“. Das wäre wirtschaftlicher Selbstmord, da eine Menge A-Mount-Kunden erbost das Lager Sony verlassen würden und seinem Ruf als Kamerahersteller würde man auch langfristig schaden, was dann wiederum potenzielle neue E-Mount-Kunden abschrecken könnte. Das Ziel muss es schliesslich sein, die Sony A-Mount-Kunden so lang wie möglich im Sony-Lager zu halten. Umso mehr man halten kann, desto mehr werden davon früher oder später doch noch auf E-Mount wechseln. Dazu dann gleichzeitig die Adaptierbarkeit von A-Mount-Objektiven weiter verbessern und die bisherigen Nachteile der spiegellosen Stück für Stück ausmerzen um ihnen den Umstieg leichter zu machen.

Hätte man sie direkt mit einem „Sony A-Mount ist tot“ konfrontiert wären sie mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt von Sony weggegangen. Deshalb hört man ab und zu noch die Durchhalteparolen „Sony A-Mount ist noch nicht tot“ vom Konzern, während aber gleichzeitig alle Innovationen und das komplette Marketing auf E-Mount ausgerichtet ist. Die grosse „Break The Mirror“-Marketingkampagne spricht da Bände. Genauso wie das nahezu non-existente Marketing zur A77 II, welche eigentlich eine extrem gute Kamera war, aber eben Sony A-Mount. An der hatte man halt noch rumgewerkelt und entwickelt bevor der grosse E- Mount-Boom ausbrach und die war letztendlich dann nur noch gut genug um Sony A-Mount-Kunden weiter im Sony A-Mount zu halten, aber wirklich neue Kunden wollte man damit nicht mehr anlocken. Man muss sich unter diesem Aspekt auch nicht mehr wundern, warum Sony seit einiger Zeit dazu neigt, beide Mounts nur noch als Alpha-Mount zu bezeichnen, was man ebenfalls als Indiz für eine langsame Verschmelzung des Sony A-Mounts in den Sony E-Mount deuten könnte.

Man hätte das alles sicherlich etwas eleganter lösen können und bspw. gleich in der ersten Generation der E-Mount-Kameras schon die verbesserte Adaptierbarkeit von Sony A- Mount-Linsen haben können und auch bspw. bessere Adapter bauen können. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es ursprünglich ja niemals so geplant war, dass der E-Mount übernehmen sollte. Man sah dies ja auch an den Objektiven, dass da ein Umdenken stattfand. Die ersten Objektive liefen noch alle unter dem Motto „klein und kompakt“ mit den f4-Zooms. Nun kommen stattdessen Objektive, denen man mitunter ziemlich deutlich ansieht, dass sie ursprünglich mal in der Entwicklung als Sony A-Mount-Objektiv begonnen und dann zum E-Mount-Objektiv umgewandelt wurden (das FE 35 1.4 ist da bspw. so eines).

Es mag sogar vielleicht so sein, dass die allerersten „der Sony A-Mount ist noch nicht tot“-Rufe von Sony tatsächlich noch ernstgemeint waren und man sich da noch erstmal nur aufgrund der hohen Verkaufszahlen kurzfristig auf E-Mount konzentrieren wollte, aber weiterhin dachte „unsere Top-Geräte bleiben A-Mount“.
Als man aber eben bemerkte, dass die Dinger nicht nur mittelfristig gute Verkaufsschlager sind, sondern langfristig eine grosse Chance sind um sich auf dem Markt ganz neu zu positionieren, entschied man sich, den E-Mount zum neuen Zugpferd zu machen (und bspw. eine grosse „Break The Mirror“-Werbekampagne zu starten) und den A-Mount nun sanft und leise in Würde sterben zu lassen … bzw. ihn nur noch in Form der A-Mount-Objektive am Leben zu erhalten in dem man weiter die Adaptierbarkeit optimiert …

Und damit nähern wir uns jetzt langsam dem Ende dieses r̶̶o̶̶m̶̶a̶̶n̶̶s̶ Artikels. Nämlich meiner Hoffnung, wie es weitergeht.
Und ich sage bewusst „meiner Hoffnung“ und nicht „meiner Einschätzung nach“. Denn wie ich weiter oben ja bereits aufzeigte hat die Kamera-Abteilung von Sony ein Talent darin gute Sachen doch noch zu verbocken.

Ja, selbst deren beste Entscheidung (die 7er-Kameras) basiert letztendlich auf einer Fehleinschätzung. So ist es also durchaus möglich, dass Sony vom derzeitigen guten Weg abkommt, plötzlich den Sony A-Mount wieder (langfristig) aufstellen will und dann bei doppelten Kosten aber gleicher Kundenzahl wieder abfällt und sich dann irgendwann denkt „ach, irgendwie wird das mit den Kameras nichts, wir konzentrieren uns jetzt nur noch auf unser Sensor-Geschäft und stellen gar keine Fotokameras mehr her“. Und dann dürfen nicht nur die Sony A-Mount-Fans jammern, sondern auch wir Sony E-Mount-Fans und können uns dann alle zusammen für teuer Geld in ein komplett neues System reinkaufen. Will das jemand?

Wäre es da nicht viel besser, wenn die bisher hartnäckigsten Sony A-Mount-Fans dann stattdessen (vielleicht nach noch einer letzten A99 II zur Überbrückung) irgendwann eine E-Mount-Kamera vor die Nase gesetzt bekommen, die nicht mehr auf Teufel komm raus kompakt gebaut wird, sondern ruhig auch mal wieder ein klein wenig grösser und ergonomischer ist, an denen sie alle ihre Sony A-Mount-Objektive so gut adaptieren können wie als ob es native Objektive wären und die wirklich jeden verbliebenen Nachteil der spiegellosen Kameras gegenüber den alten Sony A-Mount-Kameras ausgemerzt hat?

Gebe es dann noch irgendeinen Grund nicht zu dieser E-Mount-Kamera zu greifen und den Umstieg vom A zum E zu machen?

Genau das ist der Weg, den Sony meiner Meinung nach gehen muss. In diesem Weg liegt die Zukunft und zumindest bisher scheint man diesen Weg auch zu folgen. Seht euch nur die riesigen Fortschritte zwischen der A7r I und der A7r II an. Und damit meine ich nicht die acht zusätzlichen Megapixel im Sensor, sondern eben vorallem den Autofokus allgemein, der zwar in manchen Bereichen immer noch nicht „da“ ist, wo traditioneller PhaseAF einer SLR/SLT-Kamera ist, aber die Lücke bereits um ein riesiges Stück verkleinert hat. Und dafür in anderen Bereichen ja bereits jetzt sogar der bessere AF ist.
Und auch die Adaptierung von Sony A-Mount- Objektiven ist nun bereits um ein vielfaches verbessert. Was nun bspw. noch fehlt ist ein neuer Adapter, der wie der 4er-Adapter ebenfalls einen Motor hat, aber ohne die SLT-Folie, damit man auch die Nicht-SSM-Objektive mit dem nativen Kamera-AF adaptieren kann.

Genauso wie man die Kamera oder theoretisch sogar nur den Griff nur minimal verbreitern müsste um den grossen der beiden Kamera-Akkus unterzubringen um endlich wieder weg vom dämlichen FW-50-Akku zu kommen.

Die Objektivpalette muss und wird weiter wachsen, dabei wäre es aber auch schön, wenn man nicht nur high end Linsen, sondern auch ein paar „mid-end“ Linsen nachlegen würde, die gute Qualität zu kleinem Preis liefern. Das FE 28 F2 ist ein Anfang … bitte mehr davon!

Und wieso wird nicht endlich daran gearbeitet, dass der OSPDAF das Infrarot-AF-Hilfslicht von Systemblitzen erkennen kann … was den Problembereich, in dem der spiegellose AF momentan noch am meisten schwächelt mit einem Schlag beheben würde.
Es gibt eben noch genug Baustellen an den E-Mount-Kameras und wir sind noch weit von der perfekten Kamera entfernt (und die rundum „perfekte“ Kamera wird es wohl eh nie geben), aber die Chance ist da den anderen grossen beiden ein dickes fettes Stück vom Kuchen abzujagen und uns endlich das zu liefern, was wir doch alle seit unserem Einstieg im Sony-Lager erhoffen … diese eine Killerkamera, die uns all das bringt, was wir an Sony so schätzen und uns nicht mehr damit ärgert, was uns zu „Why Sony? WHY?!?“-Rufen animiert … und das kann nur gelingen wenn Sony bzw. dessen Kamerasparte seine gesamte Kraft dem richtigen Mount widmet, die richtigen Schlüsse zieht und nicht anfängt sich selbst zu Grabe zu tragen.

Hoffen wir das beste – Tod dem Sony A-Mount! 😀

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